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aus: Trierischer Volksfreund Nr. 26
Die Stimme erheben
Singen fördert Gesundheit und Karriere – Die meisten Menschen besitzen
Musikalität
von Swantje Werner
Berlin. (dpa) Schöner Gesang kann so ergreifend sein, dass Zuhörern
Schauer über den Rücken laufen. Die eigene Stimme jedoch erleben viele
Menschen nur als Mittel der Informationsvermittlung. Dabei ist die
nötige Musikalität zum Singen weiter verbreitet, als viele meinen.
„Der Mensch ist ein Naturtalent“, sagt Karl Heinz Schmitt, Chorleiter
und Sachbuchautor aus Aschaffenburg. Die eigene Stimme zu entdecken und
zu genießen, ist mehr als oberflächlicher Zeitvertreib: Singen stärkt
die Ausdrucksfähigkeit und fördert nachweislich persönliches
Wohlbefinden und Gesundheit. Nach einer Studie der Universität Frankfurt
mit 31 Laiensängern regt die Stimme die Produktion von Antikörpern an,
die unter anderem die oberen Atemwege vor Infektionen schützen. Laut
Studienleiter Günter Kreutz ist Singen gesund – „mindestens ähnlich
gesund wie Meditation, Laufen und leichter, aber regelmäßiger Sport“.
Wer regelmäßig singt, kann Atmung und Sauerstoffversorgung verbessern,
den Kreislauf anregen und den Körper in eine „ausbalancierte Spannung“
versetzen, sagt der Phoniater Professor Wolfgang Seidner von der
Universitäts-Klinik Charité in Berlin. Mindestens ebenso wichtig seien
die seelischen Aspekte: Musikalität sei eine „Produktionskraft“, die
auch in anderen Bereichen zu Kreativität anrege. „Es gibt
Untersuchungen, die zeigen, dass Männer und Frauen, die früher musiziert
haben, im Beruf die besseren Teamleiter sind.“
Laut Seidner, selbst ausgebildeter Tenorsänger, ermutigt das Singen
dazu, die verschiedenen Nuancen der Stimme zu nutzen und über Sprache
bewusst emotionale Botschaften zu übermitteln. Davon profitiere jeder
Sänger auch im Alltag. Die Logopädin und Sachbuchautorin Eva Loschky aus
München hält die Stimme für das wichtigste Ausdrucksmittel überhaupt.
„Jeder, der nicht über die volle Kraft der Stimme verfügt, erlebt dies
als Reduzierung seines persönlichen Ausdrucks und als Einschränkung
seiner Lebensqualität“. Weil Singen die Stimme jung hält, profitieren
ältere Frauen ganz besonders davon. „Die Alterungsvorgänge können
gebremst werden“, so Professor Seidner, der zahlreiche Profis in höherem
Alter zu diesem Thema befragt hat. Gesungen wird nicht nur in
organisierten Chören, sondern auch in Laien-Singgruppen, die von Musik-
und Volkshochschullehrern oder engagierten Privatpersonen geleitet
werden. Von diesen lockeren Zusammenschlüssen gebe es immer mehr, sagt
Peter Lamprecht vom Chorverband in Köln – wie viele genau, weiß niemand.
Der Zeitaufwand für Hobbysänger ist nicht allzu hoch. Laut Lamprecht vom
Deutschen Chorverband üben die meisten Chöre einmal in der Woche und
organisieren ein bis zwei Konzerte im Jahr. „Notenkenntnisse sind am
Anfang nicht wichtig, weil die Stücke mit dem Chorleiter zusammen
eingeübt werden“. Nur in ambitionierten Chören werde dies anders
gehandhabt. Wenn der Leistungsanspruch zu hoch wird, sollten Anfänger
sich nicht scheuen den Chor zu wechseln.
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