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aus: Trierischer Volksfreund
Tanz auf der Tonleiter
30 frische Stimmen: Der
Kreis-Kinder- und Jugendchor besteht seit Mai und hat ersten Auftritt
für die „stillen Stars“ am 1. Dezember
Von unserer Redakteurin SONJA
SÜNNEN
BERNKASTEL-WITTLICH. Wo bleibt der Nachwuchs? Das ist eine
überlebenswichtige Frage, auch für Chöre und Gesangsvereine. Umso
bemerkenswerter ist die erfolgreiche Neugründung des Kinder- und
Jugendchors des Kreises mit 30 Stimmen. „Justin Timberlake“, „Madonna“,
„The Beatles“, „Juli“, „Die Ärzte“, aber auch die Wittlicher Gruppe „The
general dog bodies“: Diese Sänger und Bands finden sie gut, die Stimmen
des neuen Chores. Und wie sieht es mit Weihnachtsliedern aus?
„Kling-Glöckchen“, sagt Maruena Schönig. „White Christmas“, nennt Annete
Wolf. Sie machen mit beim Kinder- und Jugendchor. Warum? „Es macht Spaß
in der Gruppe zu singen. Mehrstimmig hört sich einfach besser an“, sagt
Julia Denzer. „Ja man lernt mehr Lieder und andere Leute kennen“, sagt
Jahn Kretem. Dann sagen sie nichts mehr sondern singen: „Hand in hand
with a friend.“
Die Noten mit dem dicken Elefanten
Ingrid Wagner begleitet sie
am Klavier. Und eine Mutter schaukelt auf einem Schreibtisch sitzend im
Takt. Auch ganz junge Kinder singen mit, die Mama als Publikum dabei.
Die Kinder haben eben eine Extra-Lektion von Ingrid Wagner erhalten. Da
saßen sie auf Stühlen, die Füße baumelten hin und her, die eine wackelt
mit dem Kopf, die nächste zupft sich am langen Zopf. Dann schauen alle
auf die Gesangspädagogin: „Habt ihr eure Noten? Das Blatt mit dem dicken
Elefant?“ „Ich brauche die nicht. Ich kann eh keine Noten lesen“, meint
ein Siebenjähriger. Kein Problem: Der Text wird gemeinsam im Rhythmus
gesprochen, es folgt die Klavierbegleitung und dann sagt Ingrid Wagner:
„So, jetzt so laut wie möglich. Aber singen und nicht schreiben.“ Dann –
schwupps – stehen alle auf, strecken die Arme zur Decke, wie beim Äpfel
pflücken, rufen „hui“ und setzen sich wieder. Nun „säuselt“ der
Gesangsprofi: „Könnt ihr jetzt mal ganz vornehm singen?“ Hört, hört – es
klappt! Wenn es zu zaghaft klingt, sagt Ingrid Wagner einfach: „Ich höre
nix“ oder „weckt“ die Sänger mit glockenhellster Singstimme. Und schon
geht es weiter mit dem Lied „Hörst du die Regenwürmer husten“. Das Stück
gefällt Johan Fahle am besten, denn: „Das ist doch lustig, wenn die
husten“. Für den Spaß und dafür, dass nach der Probe auch nur die
Würmchen und nicht die Sänger husten, dafür ist Ingrid Wagner da. Sie
sagt: „Kindgerecht die Stimme kennen lernen und gut mit ihr umzugehen,
damit es keine Stimmschäden gibt, das versuche ich zu vermitteln. Das
kommt auch der Sprechstimme zu- gute.“ Neben der Stimme integriert sie
Mimik und Gestik, den emotionalen Ausdruck ihrer Schüler in den
Unterricht. „Das trägt auch zur Persönlichkeitsentwicklung und einem
freiem Auftreten bei“, sagt die Gesangspädagogin. „Hinzu kommt das
Miteinander: Für einander da sein, aufeinander hören. Aber natürlich
können auch alle alleine singen, denn sie bekommen ein Gefühl dafür, wie
ihre Stimme klingen kann.“ Auf die Frage, warum offensichtlich Mädchen
lieber singen als Jungs, sagt sie: „Manchen Jungs ist das nicht cool
genug. Später kommt das Problem des Stimmbruchs. Aber wer da durchhält,
der hat Selbstbewusstsein.“ Geschafft hat das Heribert Kappes. Er sagt:
„Ich habe in Rachtig mit Chorgesang angefangen. Mein Vater hat einfach
gesagt: ,Du bist 14, da kannst Du mitgehen.´“ Jetzt ist er Vorsitzender
des Kreis-Chorverbandes und will mit dem Projekt die Erfordernisse
musikalischer Erziehung so früh wie möglich umsetzen. Er freut sich:
„Ich bin überrascht, dass auf Anhieb so viele mitmachen und zwar aus dem
ganzen Kreis.“ Frank Wilhelmi, Leiter der Kreismusikschule, sagt: „Die
Nachfrage nach Gesangsunterricht ist relativ groß. Hinzu kommt, dass der
Popularmusikbereich wächst.“ Beide betonen, dass das Projekt ohne Geld
aus dem „Glücksspirale-Topf“ nicht zu stemmen sei. Bleibt die Frage an
die Profis nach einem Lieblingslied oder -sänger? „Freunde lasst uns
fröhlich singen“, sagt Heribert Kappes: „Mit Stars habe ich es nicht
so.“ Frank Wilhelmi: „Ich höre gerne Sänger wie Al Jarreau aber auch
Robbie Williams, Swing when you're winning.“ Ingrid Wagner hat auf diese
Frage übrigens geantwortet: „Lieblingslied? Hmmm. Da sage ich: Häschen
in der Grube.“ Info: Telefon 06571/14398.
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